Antworten von 6 Oberbürgermeister/ -innen Kandidaten/ -innen auf 2 Fragen der Ketzerbachgesellschaft

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Liebe Mitglieder der Ketzerbachgesellschaft,

 

der Vorstand der Ketzerbachgesellschaft hat Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl am 14.März 2021 folgende Fragen zu Problem der Verkehrsbelastung in der Nordstadt gestellt:

Da Sie sich als Kandidat zur Wahl um die Stelle als Oberbürgermeister in Marburg bewerben, bitten wir Sie uns folgende Fragen zu beantworten:

 

        Welche mittel- und  langfristig auszuführenden Lösungen der genannten Probleme der Verkehrsbelastung würden Sie als Oberbürgermeister in die Wege leiten?

 

        Welche kurzfristig umsetzbaren Lösungen schlagen Sie vor und würden diese als Amtsinhaber umsetzen?

Hier die Antworten der Kandidaten:

 

 

Antwort: Dirk Bamberger

vielen Dank für Ihren Brief zu dem ich mich gerne äußere.

Die Verkehrsbelastung in der Nordstadt ist ein bekanntes Problem in der Stadtpolitik. Bisher ist es, und das haben Sie ja auch festgestellt, bedauerlicherweise noch zu keinen nennenswerten Lösungen seitens der Verwaltung gekommen.

Leider ist die Hauptverkehrsstraße eine Landesstraße, da kann die Stadt nicht so agieren, wie sie es gerne möchte. Dennoch würde ich mich als Oberbürgermeister dafür einsetzen dort eine Geschwindigkeitsreduzierung auf höchstens 30 km/h durchzusetzen. Diese sollten dann auch konsequent durch Messungen kontrolliert werden, und das dauerhaft. Ebenfalls muss die Verkehrssicherheit von Fußgängern und Radfahrern verbessert werden, da bin ich völlig bei Ihnen. Eine stationäre Messanlage für Schadstoff-Emissionen sollte auch installiert werden.

Eines der großen Themen, die ich als Oberbürgermeister umsetzen möchte, ist der Bau des Behringtunnels. Bereits im vergangenen Jahr hatte die CDU-Fraktion dafür gesorgt, dass 100.000 Euro in den Haushalt für eine Machbarkeitsstudie eingestellt wurden. Leider hat der Magistrat bisher das Gutachten zur verkehrlichen Erschließung der Pharmastandorte trotz dieser zur Verfügung stehenden Mittel noch immer nicht beauftragt. Die CDU wird in dieser Sache nicht nachlassen.

Immer wieder wird der Behringtunnel als unrealistisch abgetan. Dazu kann ich nur NEIN sagen, denn ich bin der festen Überzeugung, dass der Tunnel zu einer großen Entlastung führen kann. Vor etwa 20 Jahren wurden die Baukosten auf 100 Millionen D-Mark geschätzt. Mittlerweile liegen sie bei 300 Millionen Euro. Allerdings sprudeln aus den Behring-Nachfolge-Unternehmen jedes Jahr 90 Millionen Euro in die Stadtkasse. Und da sind die zu erwartenden Steuereinnahmen durch die Impfstoff-Produktion von BionTech noch nicht mit eingerechnet. Die Wirtschaftskraft und das Steueraufkommen der Standorte rechtfertigen daher diese Investition in jedem Fall.

Ja, der Tunnel wäre eine nur langfristig umsetzbare Lösung. Er würde in jedem Falle zu einer deutlichen Entlastung des gesamten Quartiers rund um die Elisabeth-Kirche führen. Wirklich sinnvolle Alternativen zu diesem Projekt sehe ich derzeit nicht. Alle anderen denkbaren Umleitungsvarianten sind jeweils mit deutlich größeren Eingriffen in Landschaft und Natur verbunden. Unter dem Aspekt des Flächenverbrauchs und der Umweltverträglichkeit stellt der Tunnel somit die mit Abstand schonendste Lösung dar.

Die Diskussion über den Behringtunnel wurde von SPD und Grünen in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder im Keime erstickt. Eine ernsthafte Prüfung des Vorhabens fand nie statt. Es ärgert mich sehr, dass bislang noch nicht einmal die Bereitschaft vorhanden war, das Tunnelprojekt zumindest auf seine Sinnhaftigkeit hin gutachterlich untersuchen zu lassen. Für mich gibt es aber keine Alternative, gerade auch im Hinblick auf den Ausbau des Pharmastandortes. Der muss ans überörtliche Netz angebunden werden. Die Stadt Marburg lebt von den Firmen, und das nicht schlecht. Und es gibt selbstverständlich ein großes Interesse an dem Entwicklungspotenzial, das in diesem Standort steckt. Aber das kann in meinen Augen nicht ausgenutzt werden, wenn die Verkehrsanbindung so bleibt. Nicht im Sinne der Firmen und schon gar nicht im Sinne der Anwohner der Nordstadt. Der Durchgangsverkehr muss raus aus der Innenstadt. Das sehe ich genauso wie Sie.

Herr Lotz, ich kann Ihnen leider keine ad hoc Lösung präsentieren. Die Verkehrsberuhigung ist ein Thema, dass sicher schnellstmöglich gelöst werden muss, aber realistisch betrachtet, nicht schnell gelöst werden kann. Neben dem Tunnel strebe ich den Ausbau des Radwegenetzes vor allem abseits der Hauptstraßen an, damit alle Stadtteile per Rad gut an die Innenstadt angebunden sind. Außerdem soll bei einem Wahlsieg die gesamte Busflotte bis 2030 vollständig auf modernste Wasserstoff- und Elektroantriebe umgestellt sein und der ÖPNV noch weiter ausgebaut werden. Bis zum Jahr 2025 soll jeder Marburger alle 20 Minuten mit dem ÖPNV fahren können.

Ich möchte Sie gerne in die CDU-Wahl-Lounge am Pilgrimstein/Ecke Ketzerbach einladen. Lassen Sie uns persönlich ins Gespräch kommen, selbstverständlich unter Einhaltung der Hygiene-Regeln. Aus der Lounge wird jeden Tag um 15 Uhr ein Live-Stream gesendet – in dem Rahmen kann ich mir ein Gespräch mit Ihnen sehr gut vorstellen. Melden Sie sich doch bitte in meinem Wahlkreisbüro, meine Mitarbeiterin Katja Peters wird dann einen Termin mit Ihnen vereinbaren. Sie ist unter 06421 / 22053 erreichbar. Oder Sie schicken eine E-Mail an d.bamberger2@ltg.hessen.de.

Herr Lotz, ich freue mich von Ihnen zu hören und verbleibe bis dahin

mit freundlichen Grüßen

Dirk Bamberger

 

Antwort: Nadine Bernshausen

 

Sehr geehrter Herr Lotz, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde der Ketzerbachgesellschaft,

 

Vielen Dank für Ihr Schreiben vom 3. Januar 2021. Ich wünsche Ihnen zunächst ein frohes neues Jahr. Vor allem Gesundheit. Und natürlich auch, dass die Ketzerbachgesellschaft ihre Veranstaltungen künftig wieder in bewährter Art und Weise durchführen kann.

 

Die von Ihnen aufgeworfenen Fragen der Verkehrssituation in der Ketzerbach und im Marbacher Weg habe ich im begonnenen Wahlkampf bereits mit verschiedenen Akteuren erörtern können. So habe ich die Situation bereits unter anderem mit dem Marbacher Ortsvorsteher und mit Vertretern der Fa. Pharmaserv diskutiert. Es freut mich, dass auch Sie diese Fragestellung aufwerfen, auch wenn eine für alle befriedigende Lösung sicherlich nicht einfach sein wird.

 

Aus meiner Sicht müssen zur Verringerung der Verkehrsbelastung Schritte, die Sie bereits ansprechen, konsequenter als bisher umgesetzt werden: der ÖPNV ist nach wie vor nicht attraktiv (genug) und muss verbessert werden – ergänzend muss ein Jobticket allen Beschäftigten angeboten werden. Die Radinfrastruktur von und zu den Werken ist nach wie vor sehr armselig. Entlang der Landesstraße muss zudem schnell ein guter Radweg gebaut werden.

Für den Schwerlastverkehr muss mit den Firmen und anderen Akteuren nach Lösungen gesucht werden, die die Ketzerbach als Zu- und Abfahrstrecke entlasten. Auch zusammen mit den Nachbarkommunen, hessenmobil, dem Land und weiteren Beteiligten sollte nach Lösungen gesucht werden. Die Frage einer Beschränkung der Durchfahrt des Schwerlastverkehrs ist bislang sicherlich noch nicht ergebnisorientiert mit allen Beteiligten ausdiskutiert worden.

 

Mittelfristig – in den nächsten 10 bis 15 Jahren – wird unsere gesamte Mobilität mit der weitgehenden Umstellung auf Elektroantriebe und mit dem Einzug des Autonomen Fahrens eine gewaltige Umwälzung erleben. So kündigt VW für 2025 das erste komplett autonom fahrende Fahrzeug an. Wir müssen diesen Prozess aktiv begleiten und gezielt für eine Reduzierung der Verkehrsströme einsetzen.

 

So kann ich mir vorstellen, dass die Standortunternehmen sehr frühzeitig gemeinsam mit den Stadtwerken und dem RMV autonome Shuttle-Lösungen anbieten, die die Zahl der Zu- und Abfahrten zu den Werken erheblich reduzieren könnten.

 

Ich werde mich auch über die in den letzten Jahren und Jahrzehnten gemachten baulichen Vorschläge intensiv informieren und ggf. hier Dinge vorantreiben, wenn sich zeigen sollte, dass wir mit Straßen-, Tunnel- oder Seilbahnbau hier insgesamt eine positive Wende erreichen könnten. Allerdings muss man hier Fragen des Klimaschutzes, der Kosten und vor allem auch die Frage der zeitlichen Dimension einer solchen Maßnahme im Blick haben.

 

So viel zunächst zu Ihrem Schreiben. Ich freue mich, wenn wir uns in den nächsten Wochen persönlich austauschen – vielleicht über ZOOM oder einen ähnlichen Weg.

 

Für weitere Fragen sprechen Sie mich gerne an! Insbesondere würde ich auch Ihre Ideen gerne mit aufnehmen. Für

Mit besten Grüßen

Ihre

Nadine Bernshausen

 

 

Antwort: Dr. Thomas Spies

Sehr geehrter Herr Präsident,

liebe Mitglieder der Ketzerbachgesellschaft.

Vielen Dank für Ihre Fragen, zu denen ich gerne Stellung nehme. Vorweg meine herzliche Entschuldigung für die Verspätung der Antwort, die leider ein paar Tage liegengeblieben ist.

Welche mittel- und langfristig auszuführenden Lösungen der genannten Probleme würden Sie als Oberbürgermeister in die Wege leiten?

Verkehrsprobleme in der Nordstadt werden seit Jahrzehnten diskutiert, und ich habe großes Verständnis für die Belastung, die die Menschen in der Ketzerbach erleben. Seit ich 1997 erstmals der Stadtverordnetenversammlung angehörte, beschäftigt mich dieses Thema.

Zur Verbesserung der Situation in der Ketzerbach und der Marbach sind viele kleine Schritte eingeleitet worden, die zumindest eine Verschlechterung eingedämmt haben. So zeigt sich bei Verkehrszählungen, dass die Zahl der Fahrzeuge in der Ketzerbach in den letzten dreißig Jahren deutlich weniger zugenommen hat, als der allgemeine Verkehr. Vor allem hat sich die Struktur des Verkehrs verändert: während früher vorrangig Marburger*innen durch Marburg führen, hat in den letzten zwanzig Jahren der Anteil der Pendler*innen drastisch zugenommen.

Deshalb muss jede langfristige Lösung für den Verkehr in der Ketzerbach vor allem die Menschen in den Blick nehmen, die von außerhalb kommen – das war in der Vergangenheit nur sehr begrenzt der Fall.

Deshalb habe ich das Mobilitätskonzept MoVe 35 beauftragt. Dafür wurden einerseits die Bürger*innen nach ihren Anforderungen und Wünschen für Mobilität gefragt. Andererseits wird nicht nur der Marburger Verkehr erhoben, sondern weit über Marburg hinaus die Wege der Menschen analysiert. Im Herbst wird es erste Vorschläge auf Grundlage der neuen, sehr viel fundierteren Daten geben, die wir dann breit miteinander diskutieren. Gerade die Ketzerbächer*innen sind gefordert, sich in diese Diskussion einzubringen – was Sie ja machen. Ich stehe dafür ein, dass wir dann die Ergebnisse auch umsetzen!

Ich glaube, es macht viel Sinn, vor großen und aufwendigen, langfristigen Lösungen diese Ergebnisse abzuwarten. Persönlich glaube ich, dass Pendlerparkplätze für die Pharmaunternehmen in Lahntal mit einer schnellen Busshuttle-Anbindung und ein Job-Ticket der Pharmaunternehmen die Ketzerbach und die Marbach deutlich entlasten würden.

Welche kurzfristig umsetzbaren Lösungen schlagen Sie vor und würden diese als Amtsinhaber umsetzen?

Ich habe bereits die Straßenverkehrsbehörde beauftragt, die Einrichtung von Tempo 30 in der Ketzerbach und Marbach einzuleiten. Dazu waren umfangreiche Untersuchungen erforderlich, die kurz vor dem Abschluss stehen. Dann muss die Zustimmung des Regierungspräsidenten eingeholt werden. Sobald die vorliegt, ordne ich es an – ich denke, noch vor den Sommerferien.

Weiterhin will ich die Busverbindungen in die Marbach und zum Pharmastandort weiter ausbauen und den ÖPNV attraktiver machen. Dazu gehört auch eine Anbindung an die Bahn im Lahntal, so dass mehr Menschen bequem mit dem ÖPNV um Marburg herum fahren können. Bessere Radwege zum Pharmastandort Görzhausen sind in der Vorbereitung, um auch hier den Autoverkehr zu entlasten, und mit dem Förderprogramm für E-Bikes wird der Umstieg noch leichter.

Zur LKW Entlastung arbeiten wir an kleinen, dezentralen Umschlagplätzen („Micro-Hubs“), damit nicht mehr so viele Lieferdienste durch die Stadt fahren und stellenweise die Straße blockieren.

Ich persönlich propagiere seit 20 Jahren ein LKW-Verbot für die Ketzerbach. Auch das braucht die Genehmigung des hessischen Wirtschaftsministers, der das bislang ablehnt. Wenn der Verkehr nach Corona wieder „normal“ ist, werde ich die LKW-Belastung erneut zählen lassen mit dem Ziel, eine Einschränkung des LKW-Verkehrs zu erreichen.

Zudem wende ich mich in regelmäßigen Abständen an die Unternehmen am Standort und an die Transportunternehmen und dränge darauf, die Ketzerbach und die Marbach zu meiden.

mit freundlichen Grüßen

Dr. Thomas Spies

 

 

Antwort: Michael Selinka

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich kenne die Situation in der Ketzerbach und in der Marbach sehr gut. Ich kann Ihre Position völlig nachvollziehen. Ihre Ausführungen sind treffend und spiegeln die tägliche Realität – den täglichen „Wahnsinn“ wäre wahrscheinlich treffender, schlicht wider. Neben den von Ihnen eröffneten Perspektiven, werden wir wahrscheinlich auch noch eine deutliche Zuspitzung erfahren, wenn die Deutschhausstraße verengt wird, die Bunsenbrücke saniert werden muss oder die Kanalisation in der Ketzerbach und dem Marbacher Weg an die erhöhten Bedarfe angepasst werden muss. Es sind schon ab ca. fünf Uhr in der Frühe viele Autos und LKWs, die sich in diesem Bereich bewegen, teilweise viel zu schnell. Der Bereich ist Wohngebiet und wir haben von Kitas, Schulen bis zu Instituten der Uni viele Menschen, die zu ihren Einrichtungen

gelangen müssen. Gerade für die Kleinen ist dies eine sehr reale Gefährdung. Wenn ich dort mit meinen Kindern unterwegs bin, empfinde ich den motorisierten Verkehr als eine große Bedrohung. Die Blinden und Sehgeschädigten stellen eine weitere gefährdete Gruppe da. Letztlich wird auch die Wohn- und Aufenthaltsqualität der tollen Ketzerbach etc. beeinträchtigt. Der Wirtschaftsstandort in der Marbach und am Görzhäuser Hof ist zentral für unsere Stadt und wir müssen alles für den Erhalt und den Ausbau tun. Ohne diese Steuereinnahmen können wir viele unserer gewohnten Leistungen so nicht mehr aufrechterhalten, gerade unter den gegenwärtigen und zu erwartenden Bedingungen müssen wir uns glücklich schätzen, diese Arbeitsplätze in der Region zu haben. Diese Arbeitsplätze und Unternehmen sichern unsere kommunalen Handlungsmöglichkeiten, sie sind Partner unserer Stadt. Wir müssen allerdings

endlich eine sinnvolle, entlastende und nachhaltige Verkehrspolitik betreiben. Die Situation in den anliegenden Gemeinden ist allerdings auch angespannt und kann kaum eine weitere Zunahme der Verkehre auffangen. Auch hier wird den Anwohnerinnen und Anwohnern viel zugemutet. Ich stehe neuen Wohngebieten mit Supermarkt etc. kritisch gegenüber, die Situation nach der Pandemie wird sich neu darstellen, die tatsächlichen Bedarfe sind kaum abzusehen, die verkehrstechnische Anbindung ist kaum darstellbar. Die Bebauung von Höhenlagen sehe ich kritisch und in diesem Fall halte ich sie auch für unnötig, es handelt sich um ökologisch wertvolle Flächen. Der Marburger Rücken ist bedeutsam für die Entstehung von Kaltluft und hier liegen Frischluftschneisen, die die Innenstadt versorgen. Diese exponierten

Flächen sind Erholungsgebiete für Natur und Mensch und sie dienen der Biodiversität etc. Ich denke, ein weiterer Ausbau in Michelbach könnte eine weitere Entlastung bieten und  durch die wohnungsnähe Verkehre reduzieren. So wird es wahrscheinlich nicht den einen Baustein geben, der die Entlastung bringt, es werden verschiedene Anpassungen zum Erfolg führen. Ich als Oberbürgermeister möchte gemeinsam mit den Menschen unserer Stadt folgende Lösungen prüfen bzw. schnellstmöglich umsetzen:

• Wir brauchen den „Behring-Tunnel“ und/oder zusätzliche oberirdische

Lösungen.

• Wir müssen die Verkehre im Umland sinnvoll führen und möglichst

entzerren.

• Ich werde mich dafür einsetzen, dass möglichst sofort die Geschwindigkeit

reduziert wird, dies reduziert die Emissionen, die Unfallgefahr und führt zu

einem besseren Verkehrsfluss und steigert die Lebensqualität. Ich sehe hier

kein Gegenargument und es gibt Möglichkeiten dies umzusetzen.

• Ich werde kooperative Gespräche mit den Firmen zu Themen führen, von

denen ich mir eine Verbesserung der Verkehrssituation verspreche:

Shuttleservice, zusätzliche Busse in der Region, Anreize für die Nutzung

alternativer Verkehrsmittel, Betriebskindergarten, den Ausbau von

Homeoffice u.a.

• Ich werde keine Bebauung und Versiegelung ohne einen zwingenden Bedarf

und ohne ein schlüssiges (Verkehrs-)Konzept unterstützen, wir müssen den

unnötigen Flächenverbrauch verhindern.

• Ein „Konzept“ Bauen, Bauen, Bauen – ohne hohen Qualitätsanspruch und

ohne den Gedanken einer nachhaltigen Verantwortung halte ich für

verantwortungslos und schließe ich aus.

• Ein für mich entscheidender Punkt: wir müssen wieder verstärkt miteinander

sprechen um transparent, lösungs- und problemorientiert handeln zu

können und dies möglichst sehr zügig.

Die von Ihnen angesprochene Elisabethkirche ist für Marburg und die Entwicklung Marburgs ein zentrales Bauwerk, wir müssen unsere herrlichen Gebäude und diese tolle Stadt pflegen und erhalten, ohne daraus ein Museum zu machen. Die Aufgabe und meine Idee ist es genau in der Tradition anzusetzen, sie zu kultivieren und sensibel in die Zukunft zu führen. Dazu habe ich einige Gedanken und Ansatzpunkte in meinen eigenen Forderungen formuliert. Sie finden dies auf meiner Homepage https://www.michaelselinka.de/. Es ist ein großer gemeinsamer Plan und eine Befreiung unserer Stadt.

Herzliche Grüße – in die Nachbarschaft

Michael Selinka

 

Antwort: Renate Bastian

Antworten der Kandidatin der Marburger Linken zur Oberbürgermeisterwahl, Renate Bastian, für die Kommunalwahl am 14. März 2021 zu den Fragen der Ketzerbachgesellschaft

 

Unbestritten leidet die Wohn-, Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Ketzerbach und in der Elisabethstraße enorm und zunehmend sowohl unter den Auswirkungen des motorisierten Individualverkehrs I(MIV) als auch durch den Schwerlastverkehr in diesem Bereich. Lärm und Luftverschmutzung belasten Mensch und Umwelt, sie schädigen auch Kulturdenkmäler, allen voran die Elisabethkirche.

 

Welche kurzfristig umsetzbaren Lösungen schlagen Sie vor und würden diese als Amtsinhaber umsetzen?

Ziel der Marburger Linken ist es, den MIV entschieden in der gesamten Kernstadt auch durch kurzfristige Maßnahmen massiv zu reduzieren und auf mittlere Sicht durch einen gut ausgestatteten und kostenfreien ÖPNV zu ersetzen. Dem Rad- und Fußgängerverkehr soll entschieden mehr Raum gegeben werden. Die Marburger Linke verfolgt eine echte sozial-ökologische Verkehrswende mit einer Mobilitätsgarantie für alle Menschen. In diesem Sinne schwebt uns die Elisabethstraße als Umweltstraße vor, die die Lebens- und Freizeitqualität eines modernen Boulevards hat, frei von PKW-Verkehr. Als Oberbürgermeisterin würde ich diesen Prozess stärker vorantreiben, als dies in den letzten Jahren geschehen ist.

Erst nach rund 20 Jahren seit Existenz des Verkehrsentwicklungsplan hat sich im Nordviertel etwas getan. Auch wenn es ein Schritt in die richtige Richtung ist, dass in der Bahnhofstraße eine Spur für Autos entfernt und ein Fahrradstreifen in der Gegenrichtung eingezeichnet wurde, so ist das kaum mehr als ein Provisorium. Der Umbau sowohl der Elisabeth- als auch der Bahnhofstraße muss zügig in Angriff genommen werden.

 

Bereits in der gerade auslaufenden Wahlperiode hat sich die Marburger Linke für ganz konkrete Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung eingesetzt. So hat meine Fraktion 2016 beantragt, in der Elisabethstraße Tempo 30 einzuführen, durch Umbauten im Straßenraum und wirksame Kontrollen dafür Sorge zu tragen, dass eine solche Regelung eingehalten wird. Umgesetzt wurde bislang nur der Fahrradstreifen in Gegenrichtung Bahnhofstraße. 2018 hat die Marburger Linke einen weiteren Antrag eingebracht mit der Forderung, den für den Schwerlastdurchgangsverkehr über 3,5 Tonnen in der westlichen Bahnhofstraße (von der Abbiegung Robert-Koch-Straße bis zur Einmündung Elisabethstraße bzw. Wehrdaer Weg), der Elisabethstraße, im Pilgrimstein und in der Ketzerbach zu verbieten (Verkehrszeichen 253). Ähnliches müsste auch für die Marbach gelten. Der Antrag fand leider keine Mehrheit. Als Oberbürgermeisterin würde ich mich unverzüglich an die Verwirklichung machen.

 

 

Welche mittel- und langfristig auszuführenden Lösungen der genannten Probleme würden Sie als Oberbürgermeister in die Wege leiten?

 

Für die Marburger Linke ist der sozial ausgerichtete, kostenfreie und qualitative hochwertige ÖPNV ein zentraler Ansatzpunkt zur Lösung der Verkehrsprobleme und der damit verbundenen schädlichen Auswirkungen für Mensch und Umwelt. Das gilt auch für mich als Kandidatin für das Amt der Oberbürgermeisterin. Da aber der Hauptanteil des Verkehrsaufkommens durch den Berufsverkehr in Zusammenhang mit den Behring-Nachfolgebetrieben entsteht, sollten nach meiner Auffassung die Firmen beispielsweise durch Jobtickets für ihre Beschäftigten entscheidend zur Entlastung beitragen. Für die Unternehmen wäre das aufgrund ihrer Gewinnsituation ohne weiteres möglich. Zudem müsste zum Beispiel ein Shuttle-Transfer eingerichtet werden. Der bisherige Versuch des BehringExpress war schon wegen der zu geringen Taktung unattraktiv, wurde zudem kaum beworben.

Die Untersuchungen zum noch heute gültigen Verkehrsentwicklungsplan haben ergeben, dass mit dem Ausbau des ÖPNV und insbesondere durch die Einführung von Schnellbuslinien der PKW-Verkehr nicht verlagert, sondern tatsächlich verringert werden kann. Ich setzte mich dafür ein, dass diese Maßnahmen endlich in Angriff genommen werden. Die Marburger Linke hat regelmäßig entsprechende Posten in den Haushalten der Stadt Marburg beantragt.

Wie bereits angeführt, sollte der Lieferverkehr nicht mehr durch die Marburger Innenstadt, sondern über das Lahntal abgewickelt würde. Ketzerbach und Marbach müssen für den Schwerlastdurchgangsverkehr gesperrt werden.

Durch das Aufkommen der Elektrofahrräder kann auch ein Radweg von der Innenstadt nach Marbach und zum Behringstandort eine Option sein, um zur Verkehrsentlastung beizutragen.

Auf alle Fälle würde ich mich als Oberbürgermeisterin gegen den Neubau von Umgehungsstraßen oder andere Großprojekte wenden, die erfahrungsgemäß der Bau von Straßen nur neuen Verkehr generiert.

Mit freundlichen Grüßen

Renate Bastian

 

Antwort: Andrea Suntheim-Pichler

 

 

Welche mittel- und langfristig auszuführenden Lösungen der genannten Probleme ich als Oberbürgermeisterin in die Wege leite:

Unter der der von Ihnen angesprochenen Tatsache, dass die Pharmastandorte weiterwachsen, muss man sich ernsthaft u.a. mit einer Tunnelröhre zwischen Wehrda und der Marbach auseinandersetzen. Neben anderen Maßnahmen, die den motorisierten Verkehr vermindern, da ich einen Tunnel nicht als die alleinige Wunderlösung ansehen. Und trotzdem halte ich den Behringtunnel gerade heute für eine absolut vertretbare Maßnahme, da wir mit dieser die Natur weitestgehend schonen und wir den Erdaushub für sinnvolle Renaturierungsmaßnahmen verwenden können.

Die Pharmastandorte zahlen Millionen Euro an Gewerbesteuern jährlich. Somit haben diese Unternehmen, deren Mitarbeiter und die Bewohner von Marburg den Anspruch, dass wir das dring-lichste Problem lösen: Wie kommen Arbeitnehmer schnell, effizient und klimaneutral zu ihrem Arbeitsplatz und wieder nach Hause. Und wie kann man die Immissionsbelastung der Be-wohner in der Nordstadt reduzieren.

Die BfM ist Initiator von move35 – einem ganzheitlichem Verkehrs- und Mobilitätskonzept, das derzeit von der Stadtverwaltung erstellt wird. Der Unterschied zu den vielen vorherigen Konzepten: Keine Insellösungen, sondern eine Gesamtlösung für DAS Verkehrsproblem in Marburg. Nähere Infos dazu hier:

https://www.marburg.de/portal/meldungen/move35-online-auftakt-am-20-oktober-900007081-23001.html?rubrik=900000004.

In unserem nächsten BfM-Magazin gibt es dazu weitere Informationen.

Grundsätzlich bin ich dafür, auf die Fertigstellung dieses Konzeptes zu warten, da wir aufgrund der Bürgerbeteiligung wertvolle Informationen darüber bekommen, wie sich die Bürgerinnen und Bürger Verkehr und Mobilität in Marburg bis zum Jahr 2035 vorstellen. Bringen Sie sich hier bitte ein. Seine Sie laut und unbequem! Meine Unterstützung haben Sie.

Welche kurzfristig umsetzbaren Lösungen ich als Amtsinhaberin vorschlage:

Wir müssen das Problem mit dem LKW-Verkehr in den Griff bekommen. Sie sprechen da ein großes Problem an, das gelöst werden muss. Der Zulieferverkehr für die Pharmastandorte muss aus der Stadt raus. Das wird nur in Zusammenarbeit mit den Pharmafirmen funktionieren, da der von Süden kommende Zuliefererverkehr einen großen Umweg in Kauf nehmen muss,

um die Standorte zu erreichen. Das kostet Zeit und somit Geld. Es muss geklärt werden, wer diese Kosten tragen soll.

Einfach anordnen? Der Gedanke macht mich nicht glücklich. Wir müssen hier auf einen gezielten Dialog setzen, der zum Ziel hat, dass die LKWs nicht mehr über die L3092 und somit über die Ketzerbach zu den Pharmastandorten fahren müssen.

Regelmäßige Messungen der Lärm- und Stickoxidbelastungen

halte ich für ein wichtiges Instrument, um auf die schwierige Situation der Bewohner in der Ketzerbach und die problematische Aufenthaltsqualität aufmerksam zu machen.

Mit freundlichen Grüßen

Andrea Suntheim – Pichler

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